#RETTEDEINTHEATER
Der Entwurf des Niedersächsischen Finanzministeriums sieht für die kommenden Jahre erhebliche Einbußen in Millionenhöhe für die Staatstheater Hannover vor. Im Rahmen eines Corona-Schuldenabbaus für 2022/23 sollen die geplanten Tariferhöhungen im öffentlichen Dienst am Staatstheater Hannover und den kommunalen Bühnen in Niedersachsen nicht übernommen werden. Zudem werden weitere Investitionskosten, die zum Erhalt der Spielfähigkeit dringend notwendig sind, nicht übernommen. Und auch bei den freien Theatern wird die Spielstättenförderung nicht verstetigt. Die Politik begeht hier Wortbruch! Mit der Aktion #RETTEDEINTHEATER stemmen wir uns gegen ein solches Verhalten.

Alle Freundeskreise der StaatsTheater zeigen Flagge und richten einen gemeinsamen Aufruf an die Politik, diesen Entschluss zu revidieren – unterstützt uns dabei und unterzeichnet hier die OnlinePetition der Staatstheater: https://www.openpetition.de/petition/online/rettedeintheater-2021

Darüber hinaus ist am 10.11.2021 ein Demonstrationszug in Hannover mit anschließender Kundgebung vor dem niedersächsischen Landtag geplant . Wir wollen die Abgeordneten auf die Situation der Staatstheater aufmerksam machen und den Forderungen auf charmante Weise Nachdruck verleihen. Geplant sind neben einigen Reden auch musikalische, performative, chorische oder sonstige Beiträge. Schließen Sie sich gerne an, kommen Sie vorbei und unterstützen Sie uns – Start ist um 11:00 Uhr vor dem Opernhaus!

Michèle Seydoux   

Die gebürtige Schweizerin besuchte die Ballettberufsschule in Zürich und schloss ihre Ausbildung mit Diplom an der Heinz-Bosl-Ballettakademie in München ab. Ihr erstes Engagement führte sie zum Ballett des Theaters Dortmund, anschließend gastierte sie beim Bayerischen Staatsballett in La Bayadère. Ab 2006 tanzte sie beim Ballett der Deutschen Oper am Rhein und war u.a. in Sechs Tänze von Jirí Kylián zu sehen. Seit 2009 gehört sie dem Ballett der Staatsoper Hannover an und ist dort auch als Yoga-Trainerin tätig. Hier tanzte sie u.a. Claire Zachanassian in Der Besuch von Jörg Mannes. In der Spielzeit 2019/20 war sie in Prélude (Medhi Walerski), Nijinski (Marco Goecke) und Concertante (Hans van Manen) zu sehen. Mit ihrer Choreografie Betweenness wurde sie zu Christiane Winter‘s Festival TANZtheater International 2020 eingeladen.

Für unsere Mitglieder hat sie uns einige weitergehende Fragen beantwortet: 

Heimatland / -stadt
Schweiz / Zürich

Was ist für Dich Heimat?
Ich habe mich oft mit dieser Frage auseinandergesetzt. Es ist mir bewusst geworden, dass Heimat für mich eine immer größere Bedeutung bekommt. Für mich bedeutet es ein Gefühl des Ankommens, der Zugehörigkeit und der Zufriedenheit in Verbundenheit mit einem Ort oder mit wichtigen Menschen um mich herum.

Wann war Deine erste Begegnung mit Tanz?
Ich wollte schon als kleines Mädchen mit 4 Jahren unbedingt zum Ballettunterricht. Wieso ich schon da genau wusste, dass ich das möchte, weiß ich nicht mehr …

Was war der auslösende Moment, der Dich dazu inspirierte, Tänzerin zu werden?
Ich weiß nicht, ob es da einen Moment gab. Es war einfach immer diese ganz tiefe Liebe zum Tanz da. Es war einfach immer klar, dass es genau das ist, was ich machen möchte. Zu tanzen hat mich immer erfüllt.

Wo hast Du Deine Ausbildung erhalten? Wer hat Dich dort am meisten geprägt?
Ich habe meine Ausbildung in Zürich an der Schweizerischen Ballettberufsschule und in München an der Heinz-Bosl-Stiftung abgeschlossen.

Hast Du Vorbilder? Tänzer*innen, Choreograph*innen?
Es gibt eine Menge an Leuten, die mich inspirieren. Mit der Zeit hat sich das immer wieder etwas gewandelt. Mich inspirieren Leute, die etwas Neues wagen – ohne Wenn und Aber, die sich trauen, neue Wege zu gehen, die tief vertrauen in das was sie machen und die Menschen um sich herum damit inspirieren. Wenn mich etwas berührt und es etwas mit mir macht, dann ist das für mich Kunst. Dann geht es diesen einen Schritt weiter – dann werden aus Schritten und Bewegungen Gefühle und Emotionen. Wenn mich jemand auf diese Reise mitnehmen kann, dann finde ich das unglaublich schön.

Wenn Du die Wahl hättest, mit welchem Ballettensemble würdest Du gerne einmal tanzen?
Hmmmm schwierig… ich bin eigentlich ganz glücklich hier. Ich wäre eher froh, wenn Corona uns nicht mehr den Weg verbaut und wir unseren Beruf wieder frei ausleben könnten.

Was bedeutet es für Dich, im Staatsballett Hannover zu tanzen?
Die Bühne der Staatsoper ist nach fast 12 Jahren ein bisschen zu meinem Zuhause geworden. Ein vertrauter Ort – und viele Leute an der Staatsoper und im Publikum sind mir ans Herz gewachsen. Es ist und bleibt ein magischer Ort für mich und ich denke oft, dass ich diesen Ballettsaal und die Bühne und auch die schöne LiveMusik, welche uns jeden Tag begleitet, irgendwann sehr vermissen werde. Ich bin sehr dankbar, dass ich hier arbeiten darf.

Welcher Moment auf der Bühne war für Dich bisher am schönsten?
Es gab zum Glück viele Momente, welche ich wahrscheinlich nie vergessen werde. Besonders war für mich, Claire in “Der Besuch” von Jörg Mannes zu tanzen, oder meine Rollen in “Henry der 8.”, Lucrezia in “Inferno”, Sissi in “Sissi” und viele mehr…..

Was ist Dein Traum im Tanz – wohin willst Du?
Da ich eher am Ende meiner Karriere stehe, geht der Blick für mich so langsam in das nächste Kapitel. Das hier ist meine letzte Tanzstation und danach wird etwas anderes kommen.

Gibt es neben dem Tanz eine zweite Leidenschaft in Deinem Leben?
Es gibt zwei! Auf der einen Seite mag ich die Fotografie sehr – einige haben das ja vielleicht durch die Ausstellungen schon bemerkt. Auf der anderen Seite begeistert und begleitet mich seit über 13 Jahren Yoga. Seit 10 Jahren unterrichte ich und habe dort immer mehr mein zweites Standbein aufgebaut. Gerade mache ich eine Weiterbildung zur Fitnesstrainerin. Es interessiert mich sehr, mein Wissen aus dem Tanz mit fundiertem Wissen über zusätzliches Training zu erweitern und ich arbeite schon jetzt zum Beispiel mit der Ballettkompanie Salzburg, wo ich alle Tänzer online coache. So können die Tänzer ihr Fitnesslevel verbessern und hoffentlich schmerzfreier und besser tanzen.

Was macht Dir Hoffnung?
Hoffnung macht mir der Glaube, dass alles einen Sinn hat und wir es zusammen meistern können. Und der Glaube und die Überzeugung, dass Kunst überlebenswichtig ist. Kunst bringt die Farbe in unser Leben und uns  näher zueinander und verbindet uns. Ballett mag vielleicht nicht systemrelevant sein, aber für mich doch lebensaufwertend und sehr bedeutend.

Bei welchem Lied musst Du sofort anfangen zu tanzen?
Es gibt viele. Heute früh war es “Kẻ Kắp Gặp Bà Già” von United Idol….. aber das kann wöchentlich was anderes sein https://www.youtube.com/watch?v=1mO9UPagy9I

Dein Lieblingstanzfilm?
Da fällt mir gerade keiner spontan ein. Finde die Tanzfilme oft etwas überdramatisiert und zu klischeehaft.

Dein Lieblingsbuch?
Ich habe viele Bücher, welche ich mag und die mich inspirieren oder gefesselt haben. Eines auszusuchen finde ich spontan gerade schwer. Zur Zeit lese ich „Think like a monk“ was ich ganz schön finde.

Welche Schauspielerin sollte Dich spielen, wenn Dein Leben verfilmt wird?
Da muss ich erst noch ein Casting machen J

Dein Lieblingsort in Hannover? 
In der Natur! In der Eilenriede oder an einem See!

Was gefällt Dir an Hannover? Was vermisst Du?
Ich habe im ersten Lockdown oft mein Fahrrad genommen und neue Orte erkundet. Da habe ich so unglaublich viele schöne Ecken entdeckt. Mir gefällt, dass Hannover so grün ist. Mir fehlen aber etwas die Berge und die großen Seen –  da bin ich von der Schweiz halt schon etwas verwöhnt.

Welcher Gegenstand darf auf Reisen auf gar keinen Fall fehlen?
Heutzutage das Handy, denn damit kommt man fast überall klar.

Was machst Du als letztes vor Verlassen der Wohnung?
Definitiv sicher gehen, dass ich meinen Schlüssel in der Hand habe, denn ich habe mich erst vor ein paar Tagen selbst ausgeschlossen, was etwas blöd war.